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Schneidebretter aus Holz oder Becher aus Bambus oder Pfannen aus recyceltem Aluminium – nachhaltige Küchenutensilien oder Produkte, die ein nachhaltiges Image haben, gibt es mittlerweile zuhauf. Von welchen Firmen und Marken haben die Menschen eine besonders positive Wahrnehmung? Welche Produkte werden als besonders nachhaltig empfunden? Gemeinsam mit dem Institut für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) hat DEUTSCHLAND TEST Verbraucherurteile eingeholt und ausgewertet. Der Artikel zeigt, wer aus Sicht der Verbraucher spitze ist und nimmt die Top-Marken genauer unter die Lupe.
Nachhaltige Küchenutensilien: Die Topliste
Methodik
Die Studie „Deutschlands Beste – Nachhaltigkeit“ hat Daten für etwa 24.000 Unternehmen und Marken über das sogenannte Social Listening erhoben. Hierbei wurden ökologische, ökonomische und soziale Aspekte untersucht. Das Quellenset aus dem Internet umfasste zehntausende Online-Nachrichten und mehrere Millionen Social-Media-Adressen. Die Daten wurden anschließend analysiert: Welche Küchenbedarfsanbieter werden erwähnt? Welche Tonalität haben die Textfragmente? Sind die Erwähnungen positiv oder negativ? Anschließend wurden die Punktwerte für jedes Unternehmen ermittelt. 100 Punkte erhielt der jeweilige Branchensieger. Eine Auszeichnung erhielten die Marken, die mindestens 60 Punkte in der Gesamtwertung erreicht haben. Dabei wurden nur Unternehmen berücksichtigt, die in allen Dimensionen eine positive oder neutrale Tonalität aufweisen. Insgesamt konnten für die gesamte Nachhaltigkeits-Studie gut 2,8 Millionen Nennungen zu rund 19.000 Unternehmen ausgewertet werden. Der Untersuchungszeitraum war zwischen dem 1. März 2021 bis 28. Februar 2022. Insgesamt wurden 1.200 Unternehmen ausgezeichnet, darunter fünf nachhaltige Küchenutensilien.

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Platz 1: WMF
Die bekannte Marke WMF schafft es mit ihren hochwertigen Küchenutensilien auf Platz eins im Ranking der Nachhaltigkeits-Studie. Das Traditionsunternehmen hat über 160 Jahre lange Erfahrung in der Herstellung von Kochbesteck, Kochtöpfen und Elektrogeräten. Die WMF-Küchenutensilien sind aus rostfreiem Edelstahl gefertigt – das sogenannte Cromargan hat das Unternehmen selbst entwickelt. Der Edelstahl macht alle WMF-Produkte langlebig, wodurch Ressourcen eingespart werden können. Kunden schätzen offenbar, dass sie die Küchenhelfer lange nutzen können und belohnen den deutschen Hersteller dafür mit 100 Punkten.

© Rösle
Platz 2: Rösle
Die Küchenutensilien von Rösle sind weit weniger bekannt als die seines Konkurrenten WMF. Dass die Kunden das Unternehmen trotzdem schätzen, zeigt das DEUTSCHLAND TEST-Ranking: Der Anbieter von Küchenhelfern, Edelstahlschüsseln und Pfannen landet auf Platz zwei. Und wie nachhaltig ist Rösle wirklich? Hervorzuheben ist sicherlich die Pfannenserie CADINI des Allgäuer Familienunternehmens: Sie ist zu 100 Prozent aus recyceltem Aluminium gefertigt.
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© Fissler
Platz 3: Fissler
Bei Fissler finden die Kunden jedes erdenkliche Zubehör, was man zum Kochen braucht: Töpfe, Pfannen, Bräter, Woks und Küchenhelfer. Von dem Fissler Küchensieb bishin zum Kochlöffel – alles ist natürlich Made in Germany. Die Befragten platzieren den Küchenbedarfsanbieter auf Platz drei. Doch warum? Was macht die Marke so nachhaltig in den Augen der Kunden? Vermutlich gehen die Kunden von fairen Arbeitsbedingungen aus, wenn die Produkte – wie auch etwa bei WMF – in Deutschland produziert werden. Einfließen in die Bewertung wird hier sicherlich auch, wie langlebig die Produkte sind. Hervorzuheben ist bei Fissler, dass der Hersteller bei seinen antihaftbeschichteten Pfannen und Woks an Stelle von Lösungsmittel auf ein vollständig wasserbasiertes und damit ressourcenschonendes Beschichtungsverfahren setzt.

© Le Creuset
Platz 4: Le Creuset
Le Creuset ist – wie der Name schon vermuten lässt – ein französischer Hersteller von Küchenutensilien. Die meisten werden die Marke mit den schweren und orangefarbenen Brätern aus Gusseisen verbinden. Aber auch Küchen-Sets aus Edelstahl gehören zu zum Repertoire des Unternehmens. Immerhin auf Platz vier positionieren die Befragten der Nachhaltigkeits-Studie die Marke Le Creuset. Ist es das Küchenhelfer-Holz-Set, was die Befragten mit Nachhaltigkeit assoziieren? Sicherlich gehört etwas mehr dazu: Vermutlich sind es die hochwertigen Produkte, die oftmals über Generationen weitergegeben werden.
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© Zwilling J.A: Henckels
Platz 5: Zwilling J.A: Henckels
Bei dem Solinger Familienunternehmen Zwilling J.A: Henckels dreht sich bereits seit knapp 290 Jahren alles um Kochtrends und -technologien. Damit zählt Zwilling zu den weltweit ältesten Marken. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 3.300 Mitarbeiter. Aber was macht die Küchenhelfer von Zwilling in den Augen der Kunden so nachhaltig? Tatsächlich hat das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Geschäftstätigkeit auf nachhaltige Wertschöpfung ausgerichtet. Es entwickelt nachhaltige Produkte und Verpackungen. So kommen die Verpackungen von Bestecken und Messern ohne Kunststoffe aus, wodurch Zwilling J.A nach eigenen Angaben rund 13 Millionen Plastikhüllen pro Jahr spart. Produkte wie Aufbewahrungsboxen aus Holz bieten eine nachhaltige Alternative zur gängigen Tupperware. Aber auch über seine Produkte hinaus ist das Unternehmen aktiv: Mit Zwilling Care hilft die Zwilling-Foundation Projekte in aller Welt mit dem Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung zu unterstützen.
Küchenutensilien: Was macht sie nachhaltig?
Die Topliste der nachhaltigen Küchenutensilien zeigt, wie Kunden die bekannten Küchenmarken wahrnehmen. Tatsächlich handelt es sich in dem Ranking nicht um Produkte, die per se nachhaltig sind. Vermutlich vertrauen Kunden überwiegend Anbieter, die in Deutschland produzieren, ihr Unternehmen im Familiengeschäft über Jahre hinweg fortführen und vor allem auch Produkte produzieren, die lange halten.
Aber was macht nachhaltiges Geschirr aus? Kann man Küchenutensilien aus Holz automatisch als nachhaltig bezeichnen? Machen plastikfreie Küchenutensilien einen Haushalt nachhaltig? Und wie umweltfreundlich sind Küchenhelfer aus Bambus?
Plastikfreie Küchenutensilien – wie nachhaltig sind sie?
Plastikfreie Alternativen für die Küche gibt es mittlerweile zuhauf. Fakt ist, dass Kunststoff den Rohstoff Erdöl enthält, der die Umwelt nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Entsorgung belastet. Welche Alternativen gibt es und wie ökologisch sind sie? Wir nehmen einige von ihnen genauer unter die Lupe.
Küchenutensilien aus Holz
Küchenutensilien aus Holz findet man in fast jeder Küchengrundausstattung. Aber auch, wenn Holz umweltschonender in der Entsorgung ist, heißt es noch lange nicht, dass man den hölzernen Kochlöffel oder das Schneidebrett automatisch als nachhaltiges Haushaltsprodukt bezeichnen darf. Holz, in welcher Forma auch immer, sollte aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen – das bedeutet, dass die Waldflächen so bewirtschaftet werden, dass der Rohstoff Holz wieder nachwachsen kann. Ferner sollte das Holz aus Deutschland kommen und keinen langen Reiseweg hinter sich haben.
Über verschiedene Kennzeichen und Siegel, erkennt man, ob das Holz über die gesamte Verarbeitungskette umweltschonend hergestellt wurde:
- FSC-Siegel: Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) zeichnet Holzprodukte aus sozialer und ökologischer Waldbewirtschaftung aus.
- Naturland: Holzprodukte mit dem Naturland-Siegel wurden auf strenge ökologische Kriterien wie der Verarbeitung und Herkunft überprüft.
- Holz von Hier: Das Umweltzeichen legt großen Wert auf Regionalität, berücksichtigt aber auch Kriterien wie Biodiversität und nachhaltige Forstwirtschaft.
Nachhaltige Haushaltsprodukte aus Bambus
Bambus ist – wie Holz – ein nachwachsender natürlicher Rohstoff und findet sich deshalb mittlerweile oft in Form von Bechern, Brettern oder Besteck in diversen Haushalten. Die Gräser wachsen in tropischen Gebieten bis zu 40 Meter hoch – und das so schnell, dass sie bereits nach fünf Jahren geerntet werden können, ohne den Bestand zu gefährden. Wie nachhaltig sind Bambus-Produkte dann im Vergleich zu Holz? Da Bambus meist aus dem Hauptimportland China stammt, hat es lange Transportwege hinter sich und hat damit einen größeren CO₂-Fußabdruck als Holzprodukte, die aus heimischen Wäldern stammen. Vergleicht man das Material Bambus mit Holz aus Tropenwäldern, gewinnt der Rohstoff Bambus eindeutig, da es schneller nachwächst – gegen heimische Hölzer verlieren die starken Gräser eher. Festhalten lässt sich aber: Küchenutensilien aus Bambus sind ökologischer als die aus Plastik, denn: Bambus ist biologisch abbaubar und enthält nicht das gefährliche Erdöl, das in Plastik steckt.
Biokunststoff – eine umweltfreundliche Alternative in der Küche?
Brotboxen, Rührschüsseln, Kaffee- oder Eierbecher, viele Menschen greifen mittlerweile zu Küchenprodukten aus Biokunststoff – aber wie nachhaltig sind sie wirklich?
Biokunststoffe entstehen aus nachwachsenden Rohstoffen, das heißt aber nicht, dass sie auch biologisch abbaubar sein müssen. Andererseits gibt es auch biologisch abbaubare Kunststoffe, die aber nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Die Unterscheidung „biobasiert“ und „bioabbaubar“ müsste also gegeben sein, was bei den meisten Biokunststoffen nicht der Fall ist, aber von den Kunden vorausgesetzt wird. Landet Biokunststoff in der Natur, bleibt er dort also über Jahr bestehen und zersetzt sich nicht. Der kleine Vorteil gegenüber Plastik: Es enthält nicht das schädliche Rohöl. Welche wenigen Biokunststoffe über den Biomüll entsorgt werden dürfen, verrät die Zertifizierung „Gartenkompostierbarkeit“.
Fazit
Wer nachhaltige Produkte in seiner Küche nutzen möchte, tut gut daran, auf langlebige Produkte „Made in Germany“ zu setzen. Natürliche Materialien wie Stein und Holz halten nicht nur lange, sondern sind am Ende auch einwandfrei und ökologisch zu entsorgen. Bambus macht dem Rohstoff Holz durch seine Wachstumsgeschwindigkeit zwar starke Konkurrenz, aber kann nicht hierzulande abgebaut werden. Produkte aus Biokunststoff sollten auf natürlichen Ressourcen basieren und biologisch abbaubar sein, um da einigermaßen mithalten zu können – an die Langlebigkeit von Holz und Stein kommen sie nicht. Plastik ist in einem nachhaltigen Haushalt stets zu vermeiden: zu groß ist die Umweltbelastung des Erdöls bei der Kunststoffherstellung und Entsorgung.